Ein gigantisches Geschäft
In Palma de Mallorca lernte 3GN-Mitarbeiter Alexej Iwanow einen Insider der Spam-Szene kennen.
Gestern abend hast du in der “Bar Bosch” behauptet, Spamming sei eines der größten Geschäfte unserer Zeit. Bist du noch bereit, das zu erklären?
Nehmen wir ein typisches Spam-Produkt: Gefälschte Rolex-Uhren. Dafür existieren tatsächlich Käufer: Wer sich keine echte Rolex leisten kann - und wer sich keine leisten will. Wozu 5.000 Euro für eine Uhr ausgeben, die man auch für 350 kriegt?
Wie erreicht man diese Klientel?
Zeitweise konnte man damit rechnen, dass auf 100.000 Mails ein Kunde anbiss. Bei 2 Millionen Spam-Mails am Tag sind das 20 Käufer täglich. Die Marge liegt bei 250 Euro pro Uhr, bleiben also 5.000 Euro Rohertrag täglich.
Fängt der deutsche Zoll die Pakete nicht ab?
Nicht, wenn die Sendung innerhalb der EU aufgegeben wird.
Woher stammen die Uhren?
Fernost holt gerade mächtig auf, die Werkstätten in Italien und der Türkei befinden sich auf dem absteigenden Ast. Die feinmechanische Qualität einer China-Rolex ist dem Original oft ebenbürtig. Der neueste Trend aber sind so genannte Vintage-Replika, also Nachbauten von Modellen, die schon lange nicht mehr im Handel sind. Dazu erzählt man die Story des GI, der in Korea oder Vietnam zum Junkie wurde und seine Rolex für Stoff verkaufen musste.
Von wo arbeiten Spammer?
Das ist ziemlich egal, auch in Deutschland haben einige ihren Sitz. Es macht doch keinen Unterschied mehr, ob der Server unter dem Schreibtisch oder in Panama steht.
Wieso gerade Panama?
Dieses Land wird besonders gerne von so genannten Trust-Services ausgewählt, die alle Daten eines Kunden anonymisieren. Wenn diese Dienstleister ebenfalls anonymisiert auftreten, lässt sich der Ursprung von Spam-Mail fast nicht mehr ermitteln.
Alexander Iwanow (ax @ 3gn .eu) ist Analyst und IT-Consultant aus Augsburg